Schieß
gut, aber freu dich nicht!
31 Porträts von Österreichischen
Spanienkämpferinnen und Spanienkämpfer,
31 unterschiedliche Biographien, 31 persönliche
Aussagen, 31 Seelenzustände. Felicitas
Kruse besucht in den Jahren 1996-1998 noch lebende
Österreicherinnen und Österreicher,
die in den Jahren 1936-1939 in Spanien auf der
Seite der Republikaner als Teil der Internationalen
Brigaden gegen den Faschismus kämpften.
Es entstehen Porträtfotos und Zustandsbilder
der menschlichen Psyche. Existieren zwei oder
mehrere Fotos, so zeichnen sich diese durch
minimale Abweichungen voneinander aus. Ihr fotografischer
Blick hält fest, verstärkt, reduziert,
erzählt Lebensgeschichten. Dazu Gespräche
über den Spanischen Bürgerkrieg, über
Faschismus, Widerstand und persönliche
Beweggründe, sich in dieser Form zu engagieren.
Kruse zeigt Bilder alter Menschen, die Erzählenden
berichten aus ihrer Jugend. Die historische
Realität vermengt sich mit Erinnerungen,
Wünschen, Hoffnungen, persönlichen
Lebensumständen und verklärenden Geschichtsbildern.
Das Projekt von Felicitas Kruse versucht keine
historische Aufarbeitung unter Berücksichtigung
möglichst vieler Faktoren. Sie arbeitet
mit Momentaufnahmen und kann mit den Mitteln
der künstlerischen Fotografie neue Ebenen
erschließen. Es entstehen Zeitdokumente
der späten neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts,
wobei unterschiedliche Zeitphasen in Beziehung
zu einander treten. Es liegt eine bildliche
und sprachliche Spurensuche vor, von der nicht
klar ist, welcher Aspekt in diesem Projekt dominiert:
jener der Geschichte oder der Aktuelle. Und
in dieser doppelten Vernetzung, einerseits von
Text und Bild sowie andererseits von Geschichte
und Gegenwart, liegt auch einer der Qualitäten
dieser Arbeit.
Prof. Christoph Bertsch, Institut für
Kunstgeschichte, Universität Innsbruck,
2004 |